Dramatischer Mangel an Spenderlungen in Deutschland

Lungenkrankheiten werden immer häufiger – Pneumologen kritisieren Organspende-Regelung

In Deutschland droht ein dramatischer Mangel an Spenderorganen für Lungentransplantationen. Grund ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin der deutliche Anstieg an schweren Erkrankungen wie chronischer Raucherbronchitis (COPD), Lungenentzündungen und Lungenkrebs. Diese Leiden werden bis zum Jahr 2020 in der Rangliste der zehn häufigsten Todesursachen auf Platz drei, vier und fünf aufrücken, wie der Direktor der Abteilung Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, Tobias Welte, berichtet.

In besonders schweren Fällen könne eine Lungentransplantation hier die Option bieten, die Lebensqualität und auch die Überlebensaussichten der Patienten erheblich zu verbessern, sagt der Professor. Doch besäßen weniger als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung einen Organspendeausweis, obwohl sicherlich viel mehr Menschen grundsätzlich dazu bereit wären, Organe zu spenden.

«Ein großes Problem ist, dass hierzulande jeder, der potenziell zur Organspende bereit wäre, seine Zustimmung für eine Organentnahme nach seinem Tod ausdrücklich erklären muss und dazu einen Organspendeausweis auszufüllen hat, den er stets bei sich tragen muss», erläutert Welte. Demgegenüber habe sich zum Beispiel in Österreich ein Ablehnungssystem etabliert, bei dem nur jene Menschen, die nicht zu einer Organspende nach dem Ableben bereit seien, eine schriftliche Ablehnung verfassen müssten.

Dieser Unterschied im Einwilligungssystem erleichtere das Organspenden erheblich – und tatsächlich sei die Spenderrate in Österreich auch vier Mal höher als in Deutschland, erklärt der Experte. Erschwerend komme hinzu, dass viele Ärzte wegen der vergleichsweise schlechten Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen ins Ausland abwanderten und demnächst außerdem rund 50 Prozent der tätigen Ärzte in Deutschland in Rente gehen würden.

«Neben der mangelnden Verfügbarkeit an Spenderorganen dürften uns daher in den Kliniken bald auch die Spezialisten fehlen, die eine optimale Organtransplantation vornehmen können», warnt Welte. Angesichts der generellen Personalverknappung in den Kliniken dürften Organverpflanzungen in Deutschland dann in Zukunft kaum mehr zu leisten sein.

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